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eCPR im Medical Intervention Car: Ein neuer Meilenstein in der prä-klinischen Notfallversorgung

eCPR im Medical Intervention Car: Ein neuer Meilenstein in der prä-klinischen Notfallversorgung

Das Medical Intervention Car (MIC) ermöglicht die extrakorporale kardiopulmonale Reanimation bei außerklinischem Herz-Kreislauf-Stillstand direkt am Einsatzort. Das umgebaute Notarzteinsatzfahrzeug enthält neben Blutkonserven und Gerinnungsprodukten das mobile System zur extrakorporalen Herz-Kreislauf-Unterstützung Cardiohelp. „Wir können dadurch den Cardiac Index und die Perfusion im Gehirn deutlich steigern und einen ganz anderen neurologischen Outcome generieren, als wir das momentan mit mechanischer Reanimation tun“, erklärt Projektinitiator Dr. Niko Schneider, Notarzt am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD).

Nach aktuellen Zahlen des Deutschen Reanimationsregisters wurden im Jahr 2020 in Deutschland bei ca. 60.000 Patienten Reanimationsversuche nach einem außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstand durch den Rettungsdienst unternommen. Trotz umgehender Einleitung der kardiopulmonalen Reanimation (CPR) ist die Überlebensrate mit einem günstigen neurologischen Outcome gering.

Laut dem nationalen Konsensuspapier der Fachgesellschaften kann die extrakorporale kardiopulmonale Reanimation (eCPR) als Rettungsversuch für hoch selektierte Patienten mit refraktärem Herz-Kreislauf-Stillstand und potenziell reversibler Ätiologie erwogen werden. Beobachtungsstudien deuten an, dass die eCPR im Vergleich zur konventionellen CPR bei ausgewählten Patienten mit einer Zunahme der Überlebensrate von bis zu 30 % assoziiert ist.

Mit ECMO eine Brücke bauen

Das MIC wurde 2019 ‚auf die Straße gebracht‘ und wird ergänzend zum regulären Notarzteinsatzfahrzeug abgerufen. Dr. Schneider erinnert sich: „Für uns hat sich irgendwann herauskristallisiert, dass es Menschen gibt, die vielleicht von mehr Invasivität auf der Straße, profitieren könnten. Mit der Cardiohelp sind wir in der Lage, vor Ort eCPR zu machen. Unser Ziel ist, dass wir das Gehirn des Patienten durch va-ECMO* mit hohem Fluss perfundieren und ins Cardiac Arrest Center transportieren, bis eine definitive Therapie durchgeführt wird. Patienten können wir so eine Brücke bauen.“

Probleme lösen, die man vorher nicht hatte

Zehn Jahre Planungszeit hat das MIC benötigt. „Wir mussten Probleme lösen, die wir vorher gar nicht hatten, weil wir uns noch nie darüber Gedanken gemacht haben.“ Dazu gehören der limitierte Platz im Rettungswagen oder das Punktieren der Gefäße in der Reanimationssituation. Dass alles so liegt, wie es sein muss, wird mit einem TEE-Ultraschallgerät überprüft, die einsatzbereite Cardiohelp wird mit speziellen Halterungen gesichert. „Bei allem Enthusiasmus möchten wir ein hohes Maß an Patientensicherheit generieren.“ Das komplexe Verfahren benötigt hohe fachliche Expertise und die entsprechenden Ressourcen.

Je früher, je besser

Je früher eine adäquate Perfusion und Oxygenierung des Gehirns, je besser das Resultat, so der Ansatz. „Durch die massive Steigerung der Perfusion des Gehirns mittels ECMO können wir neurologische Outcomes erzielen, die vorher undenkbar waren.“

Die Selektionskriterien für eine eCPR beinhalten am UKHD, dass spätestens 60 Minuten nach Eintritt des Herz-Kreislauf-Stillstandes die eCPR laufen muss. Eine Laien-Reanimation mit kurzer Latenzzeit zum Reanimationsbeginn müsse stattgefunden haben. Ausgeschlossen werden Patienten mit Grunderkrankung oder mit entsprechendem Verweis in der Patientenverfügung. Das gleiche gelte für einen unbeobachteten Herz-Kreislauf-Stillstand, da hier die Zeitspanne der Non-Perfusion des Gehirns unbekannt ist. Das Alter sei kein Ausschlusskriterium.

„Die Patienten haben gezeigt, dass das der richtige Weg ist“, freut sich Dr. Schneider. „Ohne es bislang wissenschaftlich belegen zu können, können wir sagen, dass die von uns im Herz-Kreislauf-Stillstand kanülierten Patienten, von denen wir früher glaubten, dass diese keine Chance haben, wieder teilweise in andere Krankenhäuser entlassen wurden oder bei uns auf ihren eigenen Füßen hinausgegangen sind. Wir glauben, dass das Meilensteine sind, die es vor zehn Jahren in der Medizin einfach noch gar nicht gab.“ Welches Patientengut am Ende profitiert oder ob der Outcome wirklich besser ist, soll eine prospektiv randomisierte Studie zeigen.

eCPR als Zukunft der kardiopulmonalen Reanimation

Dr. Schneider plädiert für einen frühzeitigen Einsatz der va-ECMO in der Rettungskette. „Ich glaube, dass wir einen Paradigmenwechsel in der Rettungskette benötigen, die sich seit 30 Jahren nicht signifikant verändert hat. Mit den Händen oder mit Reanimationsautomaten können wir nicht die Erfolge generieren, wie wir sie mit der Cardiohelp oder der va-ECMO überhaupt generieren können. Wir können jetzt Patienten helfen, denen wir vor zwei Jahren nicht helfen konnten. Und es macht uns froh, wenn uns diese Patienten auf dem Flur begegnen. Jetzt ist unser Ziel, dass wir weiter rausfahren, noch mehr Erfahrungen sammeln und mit unserer Studie zeigen können, dass die va-Kanülierung in der Präklinik die Zukunft der kardiopulmonalen Reanimation ist.“ Als nächstes möchte das Team die Cardiohelp auch im Hubschrauber mitnehmen, damit auch Patienten in abgelegenen Regionen von dieser Möglichkeit profitieren.

Erfahren Sie mehr über das Medical Intervention Car im Video-Interview mit Niko Schneider >>

[1] Fischer M et al (2021) Jahresbericht des Deutschen Reanimationsregisters Außerklinische Reanimation 2020. Anästh Intensivmed, 2021. 62: p. V68–V73.

[1] Karam N et al (2017) Characteristics and outcomes of out-of-hospital sudden cardiac arrest according to the time of occurrence. Resuscitation 116:16–21.

[1] Michels G et al (2018) Recommendations for extracorporeal cardiopulmonary resuscitation (eCPR): Consensus statement of DGIIN, DGK, DGTHG, DGfK, DGNI, DGAI, DIVI and GRC. Anaesthesist 67(8):607-616.

[1] Debaty G et al (2017) Prognostic factors for extracorporeal cardiopulmonary resuscitation recipients following out-of-hospital refractory cardiac arrest. A systematic review and meta-analysis. Resuscitation 112:1–10

* veno-arterielle extrakorporale Membranoxygenierung (va-ECMO)

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