In der endokrinen Chirurgie zählt jedes Detail. Besonders bei Schilddrüsenoperationen ist die sichere Identifikation und der Erhalt der Nebenschilddrüsen entscheidend, um postoperative Komplikationen zu vermeiden. Moderne Verfahren der Nahinfrarot-(NIR)-Fluoreszenz-Bildgebung unterstützen Chirurg*innen dabei, relevante Strukturen intraoperativ sichtbar zu machen.
Warum die Nebenschilddrüsen im Fokus stehen
Bei bis zu 31 % der Thyreoidektomien werden Nebenschilddrüsen unbeabsichtigt entfernt.[1] Auch wenn der dadurch bedingte Hypoparathyreoidismus (Nebenschilddrüsen-Unterfunktion) in der Regel vorübergehend ist, kann dieser die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränken. Bleibt er dauerhaft bestehen, kann dies zu schwerwiegenden Gesundheitsschäden führen.
„Bei einer dauerhaften Unterfunktion der Nebenschilddrüsen kann es zu Störungen des Knochenstoffwechsels in Form von Gewebsverkalkungen und starken Beeinträchtigungen der Belastbarkeit kommen. Das kann Folgeschäden nach sich ziehen, die bis hin zu einer erhöhten Mortalität reichen können“, erklärt Prof. Dr. med. Kerstin Lorenz, stellvertretende Direktorin der Klinik für Viszerale, Gefäß- und Endokrine Chirurgie am Universitätsklinikum Halle.
Einsatz von NIR-Bildgebung
Die intraoperative NIR-Bildgebung macht sich die Autofluoreszenz der Nebenschilddrüsen sowie die Fluoreszenz von Indocyaningrün (ICG) zunutze. So können sowohl die Lage als auch die Durchblutung der Nebenschilddrüsen, z. B. bei Thyreoidektomien, präzise dargestellt werden und Chirurg*innen werden bei der Operation so geführt, dass die Identifikationsrate der Nebenschilddrüsen steigt.[2],[3] Durch den Einsatz von NIR-Bildgebungsverfahren wie der Fluoptics-Technologie von Getinge kann der ungewollte Verlust an Nebenschilddrüsengewebe samt seiner z. T. gravierenden gesundheitlichen Folgen reduziert werden.
Am Universitätsklinikum Halle wird diese Technologie bereits seit mehreren Jahren routinemäßig eingesetzt: „Insgesamt profitieren die Patienten vom Einsatz der Technologie, denn jede Nebenschilddrüse, die nicht dem Pathologen übergeben wird, sondern für die operierten Patienten erhalten werden kann, ist ein Gewinn“, so Lorenz
Darüber hinaus kann die Bildgebung zur Beurteilung von Fluoreszenzmustern genutzt werden, um beispielsweise Hyperparathyreoidismus besser einzuordnen.
Ein zentraler Vorteil der Fluoreszenz-Bildgebung liegt in der verbesserten Entscheidungsgrundlage während der Operation. Chirurg*innen können gezielter abwägen, ob gesundes Schilddrüsengewebe erhalten werden sollte, um die Gefäßversorgung der Nebenschilddrüsen zu sichern.
„Zudem erhöht die Fluoreszenz-Bildgebung definitiv die objektive Identifikationsrate der Nebenschilddrüsen“, betont Lorenz.
Der Erhalt der Nebenschilddrüsen kann dazu beitragen, das Auftreten eines postoperativen Hypoparathyreoidismus sowie einer Hypokalzämie zu reduzieren.[2],[3],[4]
Weitere Anwendungsbereiche
Auch für andere Bereiche als die Schilddrüsen-/Nebenschilddrüsenchirurgie bietet Getinge eine integrierte Lösung zur Fluoreszenz-Bildgebung.