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Intensivkapazitäten: Ein häufig übersehener Engpass in der OP-Planung

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Die OP-Planung endet nicht an der Tür des Operationssaals. Die Verfügbarkeit von Intensivbetten und anderen postoperativen Versorgungskapazitäten kann sich unmittelbar auf den OP-Plan auswirken. Dennoch wird dieser nachgelagerte Kapazitätsbedarf häufig nicht früh genug berücksichtigt. Neue Forschungsergebnisse zeigen, wie KI dabei helfen kann, den intensivmedizinischen Versorgungsbedarf bereits vor einer Operation vorherzusagen. Krankenhäuser erhalten dadurch die Möglichkeit, vorausschauend zu planen und potenzielle Störungen zu reduzieren.

Zentrale Forschungsergebnisse zu Intensivkapazitäten in der OP-Planung

4.658

Operierte Patienten, deren Daten ausschließlich anhand präoperativer Informationen analysiert wurden [1]

8 von 10

In acht von zehn Vergleichen stufte das Modell Patienten, die eine intensivmedizinische Versorgung benötigten, korrekt als Patienten mit höherem Risiko ein [1]

993

Elektive Operationen, die im Hinblick auf kurzfristige Absagen am Operationstag untersucht wurden [2]

21,7 %

Der kurzfristigen OP-Absagen waren auf fehlende Intensivbetten zurückzuführen [2]

Warum Intensivkapazitäten bei der OP-Planung häufig unberücksichtigt bleiben

Die heutige OP-Planung orientiert sich vor allem an der Verfügbarkeit von OP-Sälen, Dienstplänen, benötigter Ausstattung und der geschätzten Dauer der Eingriffe. Diese Faktoren bestimmen den Tagesablauf. Wo ein Patient nach der Operation versorgt wird – ob auf einer Intensivstation, einer Intermediate-Care-Station (IMC) oder einer Normalstation –, gehört in der Regel nicht zu diesen Planungsgrößen. Diese Frage wird häufig erst während oder nach dem Eingriff geklärt, also lange nachdem die Operation eingeplant wurde.

Das hat Folgen. Benötigt ein Patient nach einer Operation unerwartet eine intensivmedizinische Versorgung, bleiben die Auswirkungen nicht auf die Intensivstation beschränkt. Sie reichen bis in den OP-Plan zurück: Im Aufwachraum entstehen Engpässe, für den nächsten Patienten fehlt ein Aufwachplatz, geplante elektive Eingriffe verschieben sich und das Team, das eigentlich um 17 Uhr Feierabend machen wollte, ist um 19 Uhr noch im Einsatz [1]. Die in der Literatur berichteten Raten ungeplanter Intensivaufnahmen nach nicht herzchirurgischen Eingriffen liegen zwischen 0,12 % und 6,7 %, wobei die UCSF-Studie einen Wert von 2,3 % ermittelte [1]. Solche Ereignisse sind zwar selten, verursachen jedoch deutlich höhere Kosten als eine geplante Intensivaufnahme [1]. Zudem können sich ihre Auswirkungen über den gesamten OP-Tag erstrecken. Aktuelle Krankenhausdaten verdeutlichen das Ausmaß dieser betrieblichen Folgen: In einer 2025 veröffentlichten Studie zu kurzfristigen Absagen elektiver Operationen an einem großen Universitätskrankenhaus waren fehlende Intensivbetten für 21,7 % der Absagen verantwortlich. Damit waren sie nach fehlender OP-Zeit (24,0 %) die zweithäufigste Ursache [2].

Das Muster ist einheitlich: Die Informationen, die helfen könnten, solche Störungen zu vermeiden, sind in den Daten des Krankenhauses bereits vorhanden [1]. Sie fließen bislang nur nicht in den OP-Anmeldeprozess ein, wo sie einen Unterschied machen könnten. Die Frage ist daher, ob sich OP-Planungssysteme um diese Informationen erweitern lassen. Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass dies möglich ist [1].

Was heutige Planungssysteme bei nachgelagerten Versorgungskapazitäten nicht berücksichtigen

Heutige OP-Planungssysteme sind darauf ausgelegt, die Auslastung der OP-Säle, den Personaleinsatz und die Eingriffsdauer zu optimieren. Die Frage, ob ein Patient anschließend ein Intensivbett, einen IMC-Platz oder ein Bett auf der Normalstation benötigt, ist dabei nicht Teil der Planung.

Der Grund liegt in der Komplexität. Die Faktoren, die den postoperativen Versorgungsbedarf beeinflussen, gehen in die Dutzende: der körperliche Zustand des Patienten, die Art des Eingriffs, operateurbezogene Faktoren, das Zusammenspiel verschiedener Begleiterkrankungen und die aktuelle Bettenbelegung. Sie beeinflussen sich gegenseitig in Mustern, die erst sichtbar werden, wenn Tausende zurückliegende Fälle gemeinsam analysiert werden [1]. Heutige Planungssysteme wurden nicht dafür entwickelt, solche Daten zu verarbeiten.

Ließe sich der postoperative Versorgungsbedarf bereits früher einschätzen – bei der OP-Anmeldung oder im Rahmen der präoperativen Untersuchung –, sodass diese Information in den OP-Plan einfließen kann, bevor er endgültig feststeht? Grundsätzlich ja. Allerdings nicht mit der Genauigkeit, die für konkrete Planungsentscheidungen erforderlich wäre. Ein Durchschnittswert für ein bestimmtes Fachgebiet könnte beispielsweise darauf hinweisen, dass etwa einer von 40 Patienten nach einer bestimmten Eingriffsart eine intensivmedizinische Versorgung benötigt [1]. Er sagt jedoch nicht aus, welcher Patient an welchem Tag betroffen sein wird. Genau diese patientenbezogene Vorhersage ermöglicht heute maschinelles Lernen – und zwar anhand von Daten, die das Krankenhaus bereits zum Zeitpunkt der OP-Planung erfasst [1].

Ein Durchschnittswert für ein bestimmtes Fachgebiet könnte beispielsweise darauf hinweisen, dass etwa einer von 40 Patienten nach einer bestimmten Eingriffsart eine intensivmedizinische Versorgung benötigt [1]. Er sagt jedoch nicht aus, welcher Patient an welchem Tag betroffen sein wird. Genau diese patientenbezogene Vorhersage ermöglicht heute maschinelles Lernen – und zwar anhand von Daten, die das Krankenhaus bereits zum Zeitpunkt der OP-Planung erfasst [1].

Wie maschinelles Lernen ungeplante Intensivaufnahmen bereits vor der Operation vorhersagen kann

Eine 2025 veröffentlichte Studie der University of California San Francisco (UCSF), die am Bakar Computational Health Sciences Institute durchgeführt und in BMC Anesthesiology veröffentlicht wurde, untersuchte, ob sich ungeplante Intensivaufnahmen allein anhand von Informationen vorhersagen lassen, die bereits vor einer Operation vorliegen [1]. Die Forschenden entwickelten und validierten ein Modell des maschinellen Lernens, das präoperative Patientenmerkmale, Angaben zum Eingriff und bestehende Begleiterkrankungen von 4.658 operierten Patienten berücksichtigte [1]. Informationen aus dem Operationsverlauf wurden nicht verwendet. Für die Prognose werden somit keine Daten aus dem eigentlichen Eingriff benötigt [1].

Beim Vergleich eines Patienten, der später ungeplant intensivmedizinisch versorgt werden musste, mit einem Patienten, bei dem dies nicht der Fall war, stufte das Modell in acht von zehn Fällen den richtigen Patienten als risikoreicher ein [1]. Dies zeigt, dass das Modell zwischen Patienten mit unterschiedlichem Risiko unterscheiden kann. Vereinfacht gesagt kann es anhand der bereits bei der OP-Planung verfügbaren Informationen diejenigen Patienten identifizieren, bei denen eine ungeplante intensivmedizinische Versorgung am wahrscheinlichsten ist.

Ebenso wichtig ist, dass diese Prognose bereits mehrere Tage vor der Operation vorliegen kann [1]. Statt einer allgemeinen Risikokategorie auf Basis fachgebietsspezifischer Durchschnittswerte liefert das Modell eine abgestufte, individuelle Wahrscheinlichkeit für den jeweiligen Patienten. Die Information steht somit nicht erst dann zur Verfügung, wenn der OP-Tag bereits vollständig durchgeplant ist [1].

Der Zeitpunkt ist entscheidend. Bei der OP-Anmeldung ist die Planung noch offen. Nachgelagerte Versorgungskapazitäten können gemeinsam mit der Verfügbarkeit von OP-Sälen, dem Personaleinsatz und der Eingriffsdauer berücksichtigt werden – also mit denselben Faktoren, die bereits heute in die Planung einfließen. Mögliche Konflikte zwischen dem geplanten Operationsaufkommen und der Bettenverfügbarkeit werden sichtbar, solange sich der OP-Tag noch ohne kurzfristige Eskalation umplanen lässt [1].

Für Krankenhäuser mit strukturierten präoperativen Untersuchungsabläufen lässt sich dieser Ansatz gut in bestehende Prozesse integrieren: Das Modell nutzt dieselben Daten, die im Rahmen der präoperativen Untersuchung ohnehin erfasst werden, und stellt die Risikoeinschätzung genau dann bereit, wenn die Planungsentscheidung getroffen wird.

Intensivkapazitäten in den OP-Anmeldeprozess einbeziehen

Eine Prognose ist nur so nützlich wie die Entscheidung, in die sie einfließt. Damit der postoperative Versorgungsbedarf tatsächlich zu einer Planungsgröße wird, müssen die Kapazitäten auf Intensiv-, Intermediate-Care- und Normalstationen gemeinsam mit den verfügbaren OP-Zeiten berücksichtigt werden. Sie dürfen nicht als separates Thema behandelt werden, das erst nach der OP-Planung geklärt wird, sondern müssen bereits bei der Zusammenstellung des OP-Programms einfließen [2].

Wird beispielsweise ein Eingriff mit erhöhter Wahrscheinlichkeit für eine postoperative Intensivaufnahme an einem Tag eingeplant, an dem die Intensivbetten bereits weitgehend belegt sind, muss dieser Konflikt im OP-Plan selbst sichtbar werden – bevor der Engpass auf der Station tatsächlich entsteht [2].

Für das Planungsteam verändert sich dadurch die Vorbereitung des OP-Tages. Statt sich auf fachgebietsspezifische Durchschnittswerte zu verlassen und darauf zu hoffen, dass die nachgelagerten Kapazitäten ausreichen, sieht das Fallmanagement die individuelle Wahrscheinlichkeit einer Intensivaufnahme zusammen mit der prognostizierten Belegung der Intensivstation für den jeweiligen Tag [1]. Eskalationen werden damit wieder zu tatsächlichen Ausnahmefällen, statt zum täglichen Normalfall zu gehören.

Auch für den Patientenfluss ergeben sich Veränderungen: Wenn der voraussichtliche intensivmedizinische Versorgungsbedarf bereits bei der OP-Anmeldung berücksichtigt wird, dient der Aufwachraum nicht länger als inoffizieller Wartebereich für Patienten, für die noch kein Intensivbett verfügbar ist [1]. Durch die frühzeitigere Berücksichtigung des intensivmedizinischen Versorgungsbedarfs könnten Krankenhäuser zudem besser in der Lage sein, kurzfristige Störungen zu vermeiden. Dazu gehören auch einige der Absagen am Operationstag, die auf fehlende Intensivbetten zurückzuführen sind und in der Studie 21,7 % aller Absagen ausmachten [2].

Die gemeinsame Berücksichtigung nachgelagerter Versorgungskapazitäten und der Ressourcen des OP-Bereichs könnte eine fundiertere OP-Planung unterstützen, statt die Bettenverfügbarkeit erst zu klären, nachdem das OP-Programm feststeht.

Das Prognosemodell liefert die Risikoeinschätzung. Die Planungslogik macht mögliche Konflikte sichtbar. Das Fallmanagement trifft die Entscheidung [1]. Das Grundprinzip ist dabei stets dasselbe: Das System ergänzt die Planung um einen bislang fehlenden Faktor, während die Entscheidung bei den Menschen bleibt, die für den OP-Plan verantwortlich sind.

Das Prognosemodell liefert die Risikoeinschätzung [1]. Die Planungslogik macht mögliche Konflikte sichtbar [2]. Das Fallmanagement trifft die Entscheidung [1]. Das Grundprinzip ist dabei stets dasselbe: Das System ergänzt die Planung um einen bislang fehlenden Faktor, während die Entscheidung bei den Menschen bleibt, die für den OP-Plan verantwortlich sind [1].

Wie eine vorausschauende Planung von Intensivkapazitäten den OP-Alltag verändert

Kein Modell wird ungeplante Intensivaufnahmen vollständig verhindern können. Unvorhersehbare klinische Entwicklungen gehören zum Krankenhausalltag. Es macht jedoch einen erheblichen Unterschied, ob ein Konflikt bei den nachgelagerten Versorgungskapazitäten erst am Operationstag erkannt oder bereits bei der Anmeldung des Eingriffs berücksichtigt wird [2]. Im ersten Fall müssen die Beteiligten unter Zeitdruck reagieren und Lösungen finden. Im zweiten Fall bleibt Zeit für eine durchdachte Planung, solange noch verschiedene Handlungsoptionen zur Verfügung stehen.

Diese Forschung eröffnet neue Möglichkeiten, den Bedarf an nachgelagerten Versorgungskapazitäten früher in der OP-Planung zu berücksichtigen [1]. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich diese Informationen in den OP-Anmeldeprozess einbeziehen lassen.

Für die Krankenhausleitung und das perioperative Management stellt sich damit eine klare Frage: Soll der postoperative Versorgungsbedarf weiterhin erst nachrangig in der Planung berücksichtigt werden? Oder sollte er ebenso selbstverständlich zu den zentralen Planungsgrößen gehören wie OP-Kapazitäten, Personaleinsatz und Eingriffsdauer?

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